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Schlafen ist ein Kinderspiel

Ein Interview mit Jörg de Breuyn

Jörg de Breuyn

Herr de Breuyn, was ist für Sie ganz allgemein ein perfektes Möbel?

Systemmöbel. Sie lassen sich individuell kombinieren, ergänzen und verändern. Dank ihrer Bauweise machen sie jede veränderte Lebenssituation und jeden Wandel problemlos mit. In Zeiten zunehmender Mobilität geben sie eine enorme Flexibilität, aber auch eine beruhigende Beständigkeit. Ein gut gebautes Systemmöbel kann ein lebenslanger Begleiter sein.

Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Besonders junge Familien ziehen heute viel öfter um als früher. Entweder aufgrund eines Jobwechsels oder weil sich Nachwuchs ankündigt und die Wohnung zu klein wird. Habe ich also beispielsweise ein starres Möbel mit einer Höhe von zwei Metern, der neue Raum hat aber Dachschrägen, kann ich es dort nicht stellen. Im Zweifelsfall muss dann ein neues her. Ein Systemmöbel kann ich dem Raum entsprechend passgenau umbauen.

Sie produzieren seit 30 Jahren modulare und mitwachsende Kindermöbel. Welche Grundidee steckt hinter ihren Produkten?

Unser Anspruch ist es, perfekte Kindermöbel herzustellen, die – egal, wie sich die Struktur innerhalb einer Familie oder ihre Lebensumstände ändern – den Anforderungen und Bedürfnissen von Kind und Eltern gerecht werden. Mit unseren Möbeln wollen wir Familien Lösungsmöglichkeiten für unterschiedliche Problemstellungen bieten.

Woher kam die Inspiration?

Ich bin selbst Vater und kenne die Wünsche junger Familien. Und die Probleme. Mein ältester Sohn ist inzwischen 35, aber ich kann mich noch gut an die schlaflosen Nächte von damals erinnern. Auch meine drei Kinder hatten früher mal Albträume, haben ins Bett gemacht, waren krank oder wollten nicht aufräumen. Viele Ideen zu unseren Möbeln sind entstanden, weil ich als junger Vater Lösungen für nervende Alltagssituationen wollte.

Welches de Breuyn Möbel ist besonders praktisch?

Unser Hochbett zum Beispiel. Dank der fünf verschiedenen Aufbauhöhen haben Familien lange etwas von diesem Möbel. Angefangen als bodentiefes Himmelbett für Krabbelkinder geht es entsprechend der jeweiligen Körpergröße des Kindes in die Höhe. Es wächst quasi mit. Das vielseitige Zubehör bietet eine enorme Flexibilität. Je nach Bedarf kann der Raum unterm Bett zum Beispiel mit einem Schreibtisch, einer zweiten Liegefläche, Schränken oder Regalen ausgestattet werden. Wir haben Rutschen, Kletterwände, Seile und vieles, vieles mehr.

Worin unterscheiden sich die Hochbetten Ihrer Möbelsysteme debe.deluxe, debe.destyle und debe.delite?

Rein in der Optik. Die Funktionalität ist bei allen gleich. Auch unser Ritterhochbett kann später zur schlichten Jugendliege umgebaut werden. Dass wir verschiedene Systeme mit Hochbetten bauen, ist ein Kompromiss an die Eltern. Denn Design und Ästhetik sind eher Erwachsenenaspekte, die von Kultur zu Kultur unterschiedlich sind oder sich durch Moden verändern.

Was ist die richtige Ästhetik?

Das ist genauso schwer zu beantworten wie die Frage: „Was ist Kunst“. Ich finde, es gibt viele Designs, die durchaus ihre Berechtigung haben. Wenn es einem gefällt, auch ein Landhausstil mit viel Plüsch. Das aktuell angesagte, gradlinige Design ist ja nicht unbedingt richtiger. Oder besser, oder höherstehender. Es ist nur anders! Design ist wie Mode, damit grenzt sich eine Bevölkerungsgruppe von der anderen ab. Mehr nicht.

Wie lässt die Ästhetik Ihrer Möbel beschreiben?

Sie ist zeitlos. Trends oder temporäre Wünsche der Kinder, wie etwa die Rosa-Pink-Phase, lassen sich einfacher und viel günstiger mit Textilien oder Tapeten erfüllen. In den vergangenen 30 Jahren sind mindestens sieben oder acht Modewellen durchs Land gerollt. Viele Hersteller haben das nicht überlebt. Wir sind noch da, weil wir uns keiner Mode unterwerfen, sondern schlicht sinnvoll durchdachte Möbel für Kinder machen.

Worauf legen Sie bei Ihren Möbeln besonders Wert?

Auf Ergonomie und Benutzbarkeit. Für ein Kind ist ein Hochbett vor allem auch ein Ort zum Spielen und Klettern. Deshalb ist Sicherheit ein ganz großer Aspekt. Wir bauen streng nach den europäischen DIN-Normen und übertreffen diese oft mit eigenen Standards. So bieten unsere Spielbetten eine Geländerhöhe von über 40 Zentimetern, und somit einen sicheren Rausfallschutz. Mir ist außerdem wichtig, dass unsere Kunden nachvollziehen können, wie wir bauen und welche Materialien wir verwenden.

Was muss bei der Entwicklung von Kindermöbeln beachtet werden?

Generell müssen sie viel robuster und standfester gebaut werden als Erwachsenenmöbel, weil Kinder daran hochklettern, sich dranhängen oder drauf springen. Kindermöbel werden in der Regel von Menschen mit verschiedenen Körpergrößen genutzt. Von Eltern zum Beispiel, weil sie ihrem Kind einen Gute-Nacht-Kuss geben wollen. Oder von kleineren Geschwistern, die auch gerne mal auf dem Hochbett sitzen möchten. Diese Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden und es muss für sie funktionierende und sichere Aufbauten geben.

Sie sagen, ein Möbel müsse in der Familie funktionieren. Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Wenn sich ein Kind glücklich und sicher im eigenen Bett fühlt, wird es seine Eltern nicht jede Nacht wecken oder in ihr Bett kriechen, weil es durchschläft. Tut es das nicht, haben am Tag drauf alle schlechte Laune. Oder wenn die Liegefläche eines Hochbettes zu hoch ist, sodass ich mein Kind nicht schnell erreichen kann, wenn es mich braucht. Dann nützt das schönste Bett gar nichts.

Ab welchem Alter empfehlen Sie Hochbetten?

Unser meist verkauftes Element ist ein halbhohes Einstiegshochbett mit einer Liegenflächenhöhe zwischen 90 cm und einem Meter. Das ist für Kinder ab etwa drei Jahren geeignet. In diesem Alter wird Klettern spannend. Es ist wichtig zu schauen, in welchem Alter ein Kind welche Höhe wirklich von der Kraft und Fähigkeit erklimmen kann, und wie hoch die potenziellen Sturzhöhen sind.

Welche de Breuyn Produkte wird es in der Zukunft geben?

Wir wollen zukünftig vermehrt Jungdesigner rekrutieren. Wir werden ihre Entwürfe aufgreifen und dann zusammen mit ihnen ein produzierbares und bezahlbares Möbel erarbeiten. So wie wir es schon mit der Idee von Jannis Ellenberger erfolgreich getan haben. Das debe.deline gibt es seit 2015 auf dem Markt.