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Auf dem richtigen Holzweg

Es gibt viele Arten, Betten, Tische oder Regale herzustellen. Gute wie schlechte. De Breuyn hat sich bei der Produktion seiner mitwachsenden Systemmöbel für die ökologisch wertvolle entschieden.

Hans Carl von Carlowitz gilt als Vater der Nachhaltigkeit. Im Jahr 1713 veröffentlichte der Freiberger das Werk Silvicultura oeconomica, in dem er den respektvollen und pfleglichen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen formulierte.

Heute sollen Gütesiegel, wie zum Beispiel das FSC-Siegel (s. Kasten), die Herkunft aus regenerativem Anbau garantieren.

Nur was richtig wächst, ist richtig gut

„In Gebieten mit einer jahrhundertalten Forstwirtschaftstradition ist der verantwortungsbewusste Umgang mit der Ressource automatisch verankert. Da denken die Menschen in Generationen, nicht in Zyklen“, weiß Jörg de Breuyn. So auch in den bewaldeten Regionen nahe der Hohen Tatra, im Norden der Slowakei. Von dort bezieht der Produzent nachhaltiger Kindermöbel das Buchenholz für seine langlebigen Möbelsysteme. Einmal im Jahr besucht der Firmeninhaber die riesigen Wuchsgebiete. Und überzeugt sich persönlich von der Wiederaufforstung, die natürlich auch mit dem FSC-Siegel dokumentiert wird.

Ein Ton wie aus einem Guß

Für die Herstellung seiner Massivholzmöbel verwendet de Breuyn ausschließlich im Winter geschlagene Buche in A/A-Qualität. Nach entsprechender Trockenzeit dämpft ein regionales Hobelwerk das Holz in einem besonderen Verfahren. „Je nach Sorte, Wuchslage und Qualität der Bäume haben die Stämme andere Färbungen und Maserungen“, begründet de Breuyn die Veredelung, bei der unterschiedlich gefärbte Hölzer verlässlich auf einen einheitlichen Ton gebracht werden. So verlässlich, dass der Hersteller auch für das Erweiterungsset, das in zehn Jahren für ein Hochbett von heute gekauft wird, die gleiche Holzfarbe garantieren kann. Und nicht nur das.

Die Hohe Kunst der Holzverarbeitung

De Breuyn baut beständige Modulsysteme, die sich individuell umbauen, anbauen und verändern lassen. Ein Prinzip, das äußerste Präzision und Kontinuität in der Produktion erfordert. „Nur so gewährleisten wir, dass ein Bauteil von heute auf das Bauteil von vor 20 Jahren passt“, erläutert der Firmenchef. Die kleinste Bohrlochtoleranz würde das perfekte System kippen. Wie fachmännisch in der tschechischen Produktion von de Breuyn gearbeitet wird, beweist besonders die Serie debe.deluxe. Das Programm besteht aus durchgehenden, handverleimten Holzlamellen – die höchste Art Holz zu verarbeiten. „Die Kanteln nach Maserung und Spannung richtig sortieren, das kann keine Maschine“, erklärt de Breuyn die aufwendige Handwerksleistung.

Ein Bett besteht nicht nur aus Holz allein

Auch bei den Textilien, die eine externe Behindertenwerkstatt liebevoll zu Kissen und Co vernäht, hält de Breuyn die Fäden fest in der Hand. Das Unternehmen lässt die eingekaufte Rohbaumwolle nach Öko-Tex-Standard einfärben und die Textilfarben nach eigener Rezeptur herstellen.

Insgesamt arbeitet das Unternehmen mit acht Zulieferern zusammen. Zum Beispiel mit zwei Schreinereien für Halbfertigteile, einer Drechslerei etwa für die Piratensteuerräder, einer Schlosserei für Spezialbeschläge und einer Lackiererei, die in ihren 13 Spritzkabinen – schonend für Mensch und Umwelt – die eigens für de Breuyn gemischten Lackfarben auf die Möbel bringt.

Klasse statt Masse

Anfangs wurde der Kindermöbelhersteller für die Entscheidung, seine kleine Serienproduktion nach Tschechien zu verlagern, kritisiert. „Weil unsere Möbel in ihren Möglichkeiten sehr breit gefächert sind, stellen wir allein fast 1500 einzelne Artikel her. Das ist in Relation zu unserem Umsatz ein unglaublich großes Portfolio. Die Rheinmetropole wäre als Standort für unsere Manufaktur deshalb viel zu teuer", erklärt de Breuyn, für den eine Massenproduktion nie in Frage käme.

Jeden seiner 30 Mitarbeiter im Werk in Oslavany kennt der Arbeitgeber persönlich und weiß um ihre Stärken und Kompetenzen. Genau wie in Köln, wo sich neben eines großen Ladenlokals, Lagerhallen und Büroräumen auch ein 300 Quadratmeter großer Meisterbetrieb befindet. Dort arbeiten sechs Schreiner an Einzelanfertigungen, Objektaufträgen, Außenanlagen und Prototypen.

„In Tschechien wie hier vor Ort wird Teamwork groß geschrieben. Jeder ist bemüht, sein Bestes zu geben, und ich kann meinen Leuten vollends vertrauen", erklärt de Breuyn das familiäre Betriebsklima. Das erleichtert viele Qualitätskontrollen. Und entspricht für de Breuyn einem wichtigen Kriterium, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.

Qualität zu 100 Prozent

„Nachhaltigkeit ist für mich mehr als die Herstellung qualitativ hochwertiger und funktional langlebiger Systemmöbel", sagt de Breuyn, der auch bei seinen Zulieferern darauf achtet, dass sie faire Löhne zahlen, schadstofffreie Materialien verwenden und Arbeits-sowie Umweltschutz einhalten. Neben einem ausgeglichenen Frauen-Männer-Verhältnis sowie einer ausgewogenen Altersstruktur seien auch Arbeitsschutz und der Umgang mit Energie und Müll wichtige Nachhaltigkeitsaspekte, so de Breuyn.

  

Die Buche, die für die Kindermöbel in der Slowakei geschlagen wird, stammt übrigens nicht nur zu 100 Prozent aus regenerativem Anbau, sondern wird auch im dortigen Hobelwerk zu 100 Prozent verwertet. Das ist nicht nur nachhaltig. Das ist der respektvolle Umgang mit einer Ressource, die 100 Jahre brauchte, um zu wachsen.